Eine Saftdiät ist sehr beliebt, um schnell ein paar überschüssige Kilos loszuwerden. Aber sind solche Saftkuren wirklich gesund?
Eine neue Studie über die Auswirkungen von Gemüse- und Fruchtsaftdiäten auf die Zusammensetzung des Mikrobioms, also die Bakterienpopulationen in Mund und Darm, zeigt, dass eine solche kurzfristige Diät nicht so gesund ist, wie es scheint. Eine solche schnelle Diät, bei der nur Säfte getrunken werden, hat negative Auswirkungen auf das Mikrobiom.
Wie wirken Säfte auf die Darmflora?
Die Wissenschaftler der amerikanischen Northwestern University untersuchten drei Ernährungsformen, nämlich eine Saftdiät ohne feste Nahrung, eine Saftdiät mit fester Nahrung und eine rein pflanzliche Ernährung mit fester pflanzlicher Nahrung und Wasser.
Ziel der Studie war es, die Auswirkungen des Konsums von Obst- und Gemüsesäften auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms zu untersuchen und diese mit anderen Ernährungsformen zu vergleichen. Es ist wichtig, zu wissen, wie die Verarbeitung von Nahrungsmitteln bestimmte Wechselwirkungen mit unserem Körper hervorruft, in diesem Fall mit dem Mikrobiom im Mund und im Darm.
Ballaststoffe sind wichtig
Diese Studie macht auch deutlich, dass Ballaststoffe sehr wichtig für unsere Gesundheit sind, was eine kürzlich durchgeführte Stanford-Studie ebenfalls zeigte. In der Gruppe, die nur Obst- und Gemüsesäfte trank, stellten die Forschenden den größten Anstieg bestimmter Bakteriengruppen fest, die an der Entstehung von Entzündungen beteiligt sind. Es bildeten sich Bakterien, die besonders gut Einfachzucker verarbeiten können. In der Gruppe, die sich pflanzlich ernährte, waren die mikrobiellen Veränderungen dagegen günstiger. In der Gruppe, die Saft und Nahrungsmittel zu sich nahm, gab es zwar einige bakterielle Verschiebungen, aber weniger dramatisch als in der Gruppe, die nur Saft trank. Mit anderen Worten: Ballaststoffe sind wichtig für die Nahrungsverarbeitung.
Melinda Ring, eine der Studienautorinnen, sagt in einem Kommentar: „Viele Leute denken, dass eine Saftkur gut für eine Entgiftung ist, aber diese Studie bietet einen Realitätscheck.“ Sie fährt fort: „Der Verzehr großer Mengen an Saft mit wenig Ballaststoffen kann zu einem Ungleichgewicht im Mikrobiom führen, das sogar negative Folgen haben kann, wie Entzündungen und eine verminderte Darmgesundheit.“
Obst essen ist besser als Fruchtsäfte
Nützliche Bakterien, die entzündungshemmende Verbindungen wie Buttersäure herstellen, brauchen Ballaststoffe. Ohne diese Ballaststoffe vermehren sich die zuckerliebenden Bakterien viel leichter. Der hohe Zuckergehalt in Saft nährt diese schädlichen Bakterien noch mehr und stört das Mikrobiom im Mund und im Darm.
Es wurde auch festgestellt, dass sich bei diesen kurzfristigen Diäten vor allem die Zusammensetzung der Mundbakterien schnell verändert, während sich das Mikrobiom in unserem Darm viel weniger schnell verändert. Wie sich das langfristig auswirkt, wurde in dieser Studie nicht untersucht.
14 Tage nach den Kurzzeitdiäten untersuchten die Wissenschaftler die Erholung der Bakterien, und drei Tage schienen nicht auszureichen, um das Mikrobiom langfristig zu verändern, das heißt, die Zusammensetzung des Mikrobioms war mehr oder weniger wie vor der Kur. Fruchtsäfte als längerfristigen Ersatz für den Verzehr von Obst zu nehmen, ist aber keine gute Idee, weil man zu wenig Ballaststoffe aufnimmt.
In einer Folgestudie wollen die Forschenden untersuchen, wie sich Fruchtsäfte und andere Ernährungsformen auf das Mikrobiom auswirken, insbesondere bei Kindern, die viel Fruchtsäfte trinken als Ersatz für normales Obst.
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